Seit Jahren gibt es viele queere und trans Selbstorganisation und Angebote in Tübingen – ehrenamtlich organisiert. Seit zwei Jahren hat die Stadt Tübingen begonnen diese zu fördern:

2022 wurde die Stelle für queere Chancengleichheit bei der Stadt eingerichtet und damit zum ersten Mal eine Repräsentanz für Queere Menschen in der Stadt verankert. Seit 2024 wird die Trans*Beratung von adis e.V. mit einer 50% Stelle und die Beratung queerer Jugendlicher beim Mädchen*Treff mit 15 % gefördert.

Das war ein erster Schritt, der allerdings lange nicht den hohen Bedarf decken konnte (der sichtbar wird bei den 3.000 Teilnehmenden beim CSD, den vielen Besucher_innen im Queeren Zentrum, Nachfrage nach Beratung, vielen Anfragen von Schulen, Jugendhilfeträgern etc.).

Von diesen in den letzten zwei Jahren geschaffenen 115% Stellenprozenten sollen gemäß des Haushaltskonsolidierungsvorschlages nun 100% gestrichen werden. Damit treffen die Sparmaßnahmen queere Projekte überproportional. Es ist absurd, 2 von 3 Angeboten einzureißen, obwohl der Bedarf steigt.

Außerdem wurden neue Anträge wie der Mietkostenzuschuss für das Queere Zentrum – eine so wichtige Institution für viele queere Menschen in Tübingen – gar nicht erst berücksichtigt.

2023 hat Tübingen den Gender Award für Gleichstellung bekommen, den Boris Palmer stolz in Berlin abgeholt hat. Begründung unter anderem: „Besonders gefallen hat der Ansatz, der die Probleme vielfältiger Diskriminierungen und Benachteiligungen aufgreife. Beispielhaft sei das Forschungs-, Ausstellungs- und Kultur-Projekt „Queer durch Tübingen“.“

Werden Queere und trans Anliegen nur gefördert, wenn man sich damit schmücken kann? Wenn die Stadt zeigen will, wie modern, weltoffen, bunt und tolerant man doch ist?

Aber wenn es dann darum geht, eine minimale verlässliche Finanzierung des Bereichs aufrechtzuerhalten, die den Menschen wirklich zugutekommt, sind Queere Förderungen ganz oben auf der Streichliste.

Und das in Zeiten von gesellschaftlichem Rechtsruck und dem Erstarken der AfD. Trans Personen und queere Personen gehören zu den verletzlichen Gruppen, die eh schon mit dem Rechtsruck, steigender queerfeindlicher Gewalt und einer unsicheren Zukunft konfrontiert sind.

Die Erfahrungen von Diskriminierung und Gewalt ist für queere Menschen eine alltägliche Realität. Und sie ist massiv in den letzten Monaten gestiegen.

Tübingen will bunt und offen sein? Wir kommt man dann in diesen Zeiten auf die Idee, die wenigen und einzigen geförderten queeren Angebote in der Stadt zu streichen?

Die Unterstützung marginalisierter Menschen darf kein Luxus sein, den man sich nur leistet, wenn die Kassen voll sind. Sie gehört zu den Kernaufgaben einer Stadt, gerade wenn es eine Stadt wie Tübingen ist, die sich die Förderung von Diversität und Vielfalt auf die Fahnen geschrieben hat!

Wir appellieren an den Gemeinderat alle von der Streichung betroffenen Queeren Angebote weiter zu fördern: die Trans* Beratung und die Stelle für queere Chancengleichheit. Und neue Anträge zuzulassen wie der Antrag des Queeren Zentrums.

Wir sind solidarisch mit allen von den Kürzungen betroffenen Institutionen. Keine Kürzungen im Sozialen und in der Kultur. Insbesondere fordern wir den Gemeinderat auf, nicht bei gesellschaftlich vulnerablen Gruppen zu streichen und die Angebote von Kit Jugendhilfe, Plan B, agit, Asyzentrum u.a. zu erhalten.