Kollegiale Führung bei adis e.V.

Welche Organi­sations­struk­tur passt zu uns?

Mit dem Aufbau der hauptamtlichen Arbeit bei adis e.V. standen wir vor der spannenden Frage, welche Organisationsstruktur wir für uns wählen. Als Verein mit den Arbeitsschwerpunkten Antidiskriminierung, Empowerment und Praxisentwicklung hatten wir uns von Beginn an das Ziel gesetzt, eine interne Struktur zu finden, die zum einen zu unseren inhaltlichen Aufgaben passt und zum andern für einen Verein bewältigbar ist, der sich keine Geschäftsführung leisten kann, die für diese Aufgabe freigestellt ist.

Es ging darum, eine Organisationsstruktur zu finden, die

  • für alle gute Arbeitsplatzbedingungen bietet
  • den Anspruch ernst nimmt, Expert_innen in eigener Sache zu sein
  • der Dynamik unserer Arbeit und Entwicklung innovativer Ideen gerecht wird
  • die Horizontalität in unserem Ansatz bedienen kann
  • den gesetzlichen Rahmenbedingungen und Anforderungen nachkommt
  • und von uns in der projektfinanzieren Arbeit bewältigbar ist.

Fündig wurden wir bei der „Kollegialen Führung“, einer Organisationsstruktur,

  • die Kompetenzen und Aufgaben auf alle Schultern verteilt,
  • in der wichtige Dinge gemeinsam und viele andere Dinge am besten dort, wo sie umgesetzt werden, auch entschieden und getragen werden.
  • in der alle ihre Arbeit selbstständig planen und doch alle immer so arbeiten, dass sie die anderen und deren Belange und Interessen im Blick haben.
  • in der zwar jede_r für sich verantwortlich ist, wir doch aber alle füreinander Sorge tragen.

Im Kern meint „Kollegiale Führung“, dass Führung als Aufgabe der kompletten Kolleg_innenschaft wahrgenommen und gelebt wird. Rollen wie Abteilungsleitung oder Teamleitung sind abgeschafft. Die Verantwortung lastet nicht mehr auf einzelnen Personen, sondern wird auf allen Schultern verteilt. Das soll einzelne Personen entlasten und alle Kolleg_innen stärken, Verantwortung zu übernehmen und eigene Ideen und Perspektiven einzubringen und umzusetzen.

Wir haben uns gespannt auf dieses Abenteuer eingelassen. Zunächst wurden Bücher gewälzt, eine Arbeitsgruppe „Struktur“ gegründet, Austauschgruppen organisiert, um sich die neue Denk- und Arbeitsweise anzueignen und die Organisationsstruktur zu formen. Was dabei raus kam, kann man durchaus als „eigensinnig, eigenwillig und handgezimmert“ beschreiben.

Grundprinzipien der „Kollegiale Führung“ bei adis e.V.

Grundprinzipien sind Vertrauen, dass das Individuum und die Projektteams selbst gute Entscheidungen für den eigenen Arbeitsbereich treffen können. Deswegen werden Entscheidungen so weit wie möglich in den Teams getroffen, wo die Ergebnisse vorhanden sind und sie auch umgesetzt werden müssen.

Statt Kontrollmechanismen sind Abstimmungsprozesse vereinbart. Das bedeutet, bei allen Entscheidungen, die auch andere betreffen, diese miteinzubeziehen und zusätzlich Expert_innen aus den eigenen Reihen mit dazu zu holen.

Entscheidungen in der Gruppe werden nach dem sog. „Konsentprinzip“ beschlossen. Statt die Zustimmung für einen Vorschlag abzufragen, werden schwerwiegende Bedenken und Einwände so lange geprüft und abgewogen, bis „einwandfreie“ Lösungen gefunden werden. Wichtig ist dabei, dass mit den Bedenken auch konkrete Vorschläge und Ideen eingebracht werden und es nicht bei „Kritisieren oder Meckern“ bleibt.

Ein weiteres Prinzip ist Transparenz und Teilhabe. Alle Kolleg_innen sind über die Ziele, Strukturen und Situation der Organisation informiert und können für bestimmte Bereiche gemeinsam mit anderen Verantwortung übernehmen und sie mitgestalten. Nichts ist in Stein gemeißelt, sondern darf weiterentwickelt werden.

Gemeinsames Lernen und Weiterentwickeln! Wir sind auf dem Weg, um unsere Visionen einer gerechten, diskriminierungsfreien Gesellschaft zu verwirklichen. Da gibt es kein fertiges Skript und wir sind in einem stetigen Lern- und Entwicklungsprozess gemeinsam mit unseren Zielgruppen und Kooperationpartner_innen. Daher ist es uns wichtig einen toleranten Umgang mit Fehlern und Scheitern einzuüben. Sowohl in unserer inhaltlichen Arbeit, als auch im Lernen, wie Kollegiale Führung gut für uns funktioniert.

Strukturen der „Kollegiale Führung“ bei adis e.V.

Kollegiale Führung ist kein Selbstläufer, der auf dem guten Willen einzelner aufbaut. Es bedarf konkreter Strukturen, transparenter Vereinbarungen, definierter Prozesse und klare Kommunikation.

Wir haben uns auf folgende Grundstruktur geeinigt:

  • In wenigen Plenumssitzungen und jährlich zwei Klausurwochenenden werden grundlegende Dinge geklärt und im Konsentprinzip entschieden.
  • Viele Angelegenheiten wie zum Beispiel Personal- und Budgetentscheidungen werden in den Projektteams entschieden.
  • Arbeitsgruppen übernehmen Querschnittsaufgaben wie Verwaltung, Raumorganisation, Regelungen der Arbeitszeit, Datenschutz, Öffentlichkeitsarbeit oder die stetigen Verbesserungen der Struktur selbst
  • Adhoc-Teams sind für eine bestimmte Zeit für Aufgaben wie die Begleitung von Projektanträgen oder Konzeptentwicklung zu ständig
  • In einem Koordinierungs-/Leitungsteam laufen die Prozesse zusammen, kleine Dinge werden entschieden, andere Entscheidungen fürs Plenum vorbereitet.
  • Einmal im Monat treffen wir uns alle eine Stunde ohne Tagesordnung, um voneinander mitzukriegen, was so ansteht und wie es allen geht.
  • Da es keine formellen Personalhierarchien gibt, haben wir Mitarbeiter_innengespräche durch Kolleg_innenkreisen von drei bis vier Leuten ersetzt. Sie treffen sich mehrmals jährlich, um tiefergehend zu besprechen, wie alle mit der Arbeitsanforderung klarkommen und jeder_m Kolleg_in einen Raum zu geben, auch individuelle Perspektiven zu entwickeln.

Fündig wurden wir bei der „Kollegialen Führung“, einer Organisationsstruktur,

  • die Kompetenzen und Aufgaben auf alle Schultern verteilt,
  • in der wichtige Dinge gemeinsam und viele andere Dinge am besten dort, wo sie umgesetzt werden, auch entschieden und getragen werden.
  • in der alle ihre Arbeit selbstständig planen und doch alle immer so arbeiten, dass sie die anderen und deren Belange und Interessen im Blick haben.
  • in der zwar jede_r für sich verantwortlich ist, wir doch aber alle füreinander Sorge tragen.

Formell gibt es dann noch eine Geschäftsführung von zwei Personen. Sie ist vom ehrenamtlichen Vorstand delegiert, die Dinge zusammenzuhalten und am Ende auch wirtschaftlich zu verantworten. Auf diese (formelle) Struktur könnten wir auch zurückgreifen, wenn Entscheidungen anstehen, mit denen die kollegiale Führung überfordert wäre.

Während bei klassisch hierarchischen Organisationen viel implizit an den Führungskräften hängt, ist es in der Kollegialen Führung ausgesprochen wichtig, dass implizite Aufträge und Abläufe explizit gemacht werden. Nur so vermeidet man die Gefahr von Missverständnissen und Konflikten und vor allem, dass informelle Machtpositionen gestärkt werden und die Verantwortung doch nicht von allen übernommen wird.