Vor zehn Jahren …. von den Anfängen der professionellen Antidiskriminierungsarbeit in der Region 

 

Der 5. Dezember 2012 war ein kleiner Meilenstein in der Geschichte der Antidiskriminierungsarbeit in der Region. Der Runde Tisch Antidiskriminierung Reutlingen ging mit der Fachtagung „Antidiskriminierung zum Thema machen“ erstmals an die große Öffentlichkeit.  

Der Runde Tisch hatte sich im Frühjahr aus einem breiten Spektrum an Trägern, Initiativen, und Einzelpersonen gegründet, um in Reutlingen eine Anlaufstelle aufzubauen, in der Menschen mit Diskriminierungserfahrungen professionelle Beratung und Unterstützung erhalten. Hintergrund war der erfolgreiche Gerichtsprozess eines jungen Schwarzen Mannes gegen der rassistische Türpolitik einer Reutlinger Diskothek. Da es in Reutlingen und Umgebung, wie in den meisten Städten Baden-Württembergs keine Antidiskriminierungsberatung gab, war er von einer Berliner Beratungsstelle unterstützt worden. Dies wollte der Runde Tisch ändern.  

Aus diesen Anfängen hat sich über die Jahre nicht nur eine professionelle Beratungsstelle für Menschen, die Diskriminierung erfahren haben, entwickelt, sondern mit adis e.V. eine überregional anerkannte Fachstelle für diskriminierungskritische Arbeit.  

Die Fachtagung im Reutlinger franz.K legte dafür den Grundstein. Über die Einladung der Sozialministerin Katrin Altpeter wurde das Thema auf die landespolitische Bühne gesetzt, was dann zu einer ersten Finanzierung der Beratung führte. Mit den Grußworten des Reutlinger Bürgermeisters Robert Hahn und des Sozialdezernenten des Landkreises Andreas Bauer wurde das Thema auch auf die kommunalpolitische Agenda gesetzt.  

Vor allem aber spannen sich im Rückblick viele Bezüge von den Themen der Fachtagung zu unserer aktuellen Aufgaben. 

Harald Sickinger (heute „Agentur für unschätzbare Werte“) stellte Ausschnitte des Films vor, den er im Auftrag des Runden Tisches erstellt hatte. Darin wurden die Stimmen von Menschen hörbar, die in Reutlingen Diskriminierung erleben.  

Nuran Yigit betonte in ihrem Vortrag, dass Antidiskriminierungsarbeit nicht ohne Empowermentarbeit möglich ist. Farah und Claus Melter, sowie Volker Schönwiese und Petra Flieger loteten anhand ihrer jeweiligen Erfahrungen als Lebenspartner_innen die Möglichkeiten und Grenzen von Bündnispartner_innenschaft zwischen Menschen mit und ohne Diskriminierungserfahrung aus.  

Vera Egenberger vom Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung und Daniel Bartel vom Antidiskriminierungsverband beleuchteten in ihren Workshops die rechtlichen Grundsätze und praktischen Umsetzungsmöglichkeiten der Antidiskriminierungsberatung. Margret Göth ergänzte die Erfahrungen aus der Psychologischen Lesben- und Schwulenberatung Rhein Neckar (PLUS).  

Albert Scherr von der PH Freiburg diskutierte in seinem Workshop das Thema Diskriminierung am Beispiel Arbeitsmarkt. 

Viele Mitglieder des Runden Tisches, die damals diese Tagung organisiert haben, waren auch in den Folgejahren und zum Teil bis heute im Verein und im entstehenden hauptamtlichen Team aktiv.