Bericht: Fachtag „Antimuslimischer Rassismus und Prävention religiös begründeter Extremismus – Wie positioniert sich die Jugendsozialarbeit?

Mit dem Fachtag, der am 7. Juni 2018 in dem neuen und sehr schönen Seminarhaus im Bahnhof in Tübingen -Unterjesingen stattgefunden hat, reagierten wir auf den Ausbau der Präventionsarbeit gegen religiös begründeten Rassismus. Zuletzt durch das neue Programm „Jugendsozialarbeit an Schulen“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren Frauen und Jugend, in dessen Rahmen bundesweit 200 und in Baden-Württemberg 18 Jugendmigrationsdienste einen Auftrag für die Primärprävention im Bereich „Salafismus-Prävention“ übernehmen.

 

Dass der Bedarf groß ist, zeigen die 50 Teilnehmenden aus ganz Baden-Württemberg, darunter viele von am Programm beteiligten JMDs, aber auch Kolleg*innen aus der Schulsozialarbeit und der politischen Bildung, die wir trotz der kurzen Vorbereitungszeit erreichen konnten.

 

Am Vormittag führte Saba-Nur Cheema vom Anne Frank Zentrum, Frankfurt mit vielen konkreten Beispielen in den antimuslimischen Rassismus ein. Im Anschuss diskutierte Sindyan Quasem von der Universität Münster die ungewollte Reproduktion von antimuslimischen Rassismus in unreflektierten Programmen der Prävention.

 

In den Workshops ging es um Fragen,

  • … wie die politische Bildung in heterogenen Schulklassen Angebote entwickeln kann, die allen Schüler*innen, also der gläubigen Muslima genauso wie der als muslimisch wahrgenommen aber nicht gläubigen Jugendlichen und dem Jugendlichen, der den Islam feindlich gegenübersteht, gleichermaßen ein pädagogisches Angebot macht und in diesen Angeboten Jugendlichen vor neuerlichen Diskriminierungserfahrungen schützt.
  • … wie die Jugendsozialarbeit Jugendlichen, die von antimuslimischen Rassismus betroffen sind, über Empowermentgruppen ein Angebot machen kann, diese Erfahrung in einem guten Ramen zu bearbeiten. Es scheint unbestritten zu sein, dass diese Arbeit präventive Effekte hat. Es ist aber wiederum problematisch, die Arbeit über diese Effekte zu begründen, ohne erneut muslimische Jugendliche zuerst als potentielle Gewalttäter*innen zu sehen.
  • … wie Jugendmigrationsdienste sich zu dieser neuen Aufgabe stellen und darin eine fachliche Position entwickeln

 

Der Fachtag sollte auch einen Raum bieten, die verschiedenen Angebote im Land kennenzulernen und ggf. Kooperationen zu vereinbaren. Anwesend waren

  • Team meX – Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
  • Demokratiezentrum, Fachstelle Extremismusdistanzierung/ Fachstelle PREvent!on
  • Mosaik Deutschland e.V. Heidelberg
  • Empowermentangebote von adis e.V.

Sie stellten ihre Arbeit nach der Mittagspause vor, beteiligten sich an den Workshops und standen im Anschluss für Einzelgespräche zur Verfügung.

 

Der Fachtag war ein Erfolg. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren fast ausnahmslos sehr positiv. Der größte Teil hat gerade die theoretische Einführung in die reflexive Herangehensweise positiv hervorgehoben. Es gab den ausdrücklichen Wunsch, weitere derartige Angebote zu machen.

 

Der Fachtag war die letzte Veranstaltung, die wir in der bestehenden Kooperation mit dem Projekt IKÖ³ der BruderhausDiakonie gemeinsam veranstaltet haben. Das Projekt ist mit dem 30.6. ausgelaufen und damit auch unsere Zeit in der BruderhausDiakonie.

Für weitere Kooperationen sind wir offen.